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Urbane Freiräume – Immobilienleerstand und Kunst in der Nähe von Freiburg

In diesem Beitrag geht es um die Frage wie Leerstände in Orten kreativ genutzt werden können. Imobilienleerstände gehören in vielen – vor allem ländlicheren Gegenden – zum Ortsbild und werden von Einwohnern häufig negativ wahrgenommen. In Zeiten der Wohnraumknappheit und hohen Mieten stellt sich die Frage ob sich Orte solche „Leerstände“ leisten können und wollen. Ein Ort in Baden-Württemberg zeigt nun, dass es auch anders geht und nutzt eben diese „Freiräume“ für kulturelle Zwecke. 

Leerstand und Kunst sind gute Partner: Das hat sich in dem kleinen Ort Denzlingen bei Freiburg i.Br. gezeigt, wo zum wiederholten Male leer stehende Gebäude als Galerie auf Zeit fungieren:

Aktuell in einer zum Abbruch frei gegebenen Bank, wo insgesamt 9 Künstler sich der Alt-Immobilie angenommen haben und die Kunden-, Schalter- und Tresorräume der ehemaligen Raiffeisenbank mit Leben erfüllen.

Dabei greifen sie das gesamte Spektrum des Finanz- und Geldwesens auf, konterkarieren und persiflieren es und lassen es in ungewohnten Sinnzusammenhängen aufscheinen. Ob als Bitcoin-, Koks-, Licht- oder Video-Installation, als Raumbepflanzung, als Hör- oder Tanz-Performance, als Lesung aus einem Bankraub-Buch oder als überraschendes Fotobooth- Vergnügen für die Besucher. Sogar ein satirisches Denzlinger Notgeld wird zur Gemeinschafts- Ausstellung extra gedruckt.

Bereits 2015 waren mit dem Projekt „Leergut“ Leerstände in dem kleinen Ort für ein Kunstprojekt in leer stehenden Ladengeschäften wie zum Beispiel einem ehemaligen Schleckermarkt oder einem aufgegebenen Einrichtungshaus genutzt worden.

Kultureller Verwaisung kreativ vorbeugen

Besonders interessant wird diese Nutzung der leeren Räume im Umkreis einer Stadt, die sich im Zwiespalt zwischen großer Beliebtheit, hohen Zuzugsraten und steigenden Mietpreise einerseits und andererseits einer gewissen „kulturellen Verwaisung“ angesichts ihrer Lage im Dreiländereck bewegt.

So hat die in Freiburg angesiedelte Zweigstelle der Kunstakademie Karlsruhe 2016 ihre Türen geschlossen. Das Freiburger Museum für Neue Kunst klagt über mangelnde Besucher und die Galerien- und Kunstszene der Stadt hat es schwer mit den Events der benachbarten Metropolen wie Basel, Straßburg oder Karlsruhe zu konkurrieren.

Die Nutzung der Leerstände in der Freiburger Randgemeinde erscheint so in der Tradition der Selbsthilfe-Galerien in der Mitte des letzten Jahrhunderts z.B. in Berlin und New York in Abbruchhäusern oder „Off-the-Path-Vierteln“ als sinnvoller Beitrag zu einer lebendigen, flexiblen und integrierten Kulturszene.

Hohe Bürgerzufriedenheit in Denzlingen

Und ein Besuch in Denzlingen lohnt sich allemal: Eine zum Kulturprojekt umgestaltete ehemalige Fabrik beherbergt unter ihren Sheddächern u.a. ein Café mit wechselndem Kulturprogramm, eine Mediathek und Veranstaltungsräume, das Kultur- und Bürgerhaus (KUB) bietet Raum für eine Vielfalt von Veranstaltungen. Der Ort strahlt trotz mancher Bausünden eine Lebendigkeit und Offenheit aus, die sich in einer Umfrage in einer ausgeprägten Bürgerzufriedenheit niederschlägt.

Welche Ideen hast Du für den (kreativen) Umgang mit Leerständen? Wie geht dein Ort mit leerstehenden Immobilien um? Berichte uns hier davon oder bewerte deinen Ort auf CRITICITY.

                                                                                                                                                        Bildquelle: Thomas Hammelmann

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