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Urbanisierung – ein globaler Megatrend

Die Städte der Welt waren schon immer ein Zentrum für Innovation, Interessenaustausch, Hoffnung und kulturelle Diversität. Mittlerweile teilt jedoch die ansteigende Urbanisierung als ein weltumspannendes Phänomen die globalen Gesellschaften. Wir haben uns im folgenden Beitrag ausgiebig mit dem (spannenden) Thema beschäftigt.

Im westlichen Teil der Hemisphäre schreitet der Prozess der Urbanisierung nur noch sehr langsam voran. Die Herausforderung besteht hier in einer optimierten Entwicklung bestehender Strukturen. In Schwellenländern und Dritte-Welt-Staaten wachsen die Städte hingegen rasant und unaufhörlich zu gigantischen Multimillionen-Metropolen.

Vor allem deren zukünftige Perspektiven und Entwicklungspfade werden zu einer globalen Existenzfrage. Der anhaltende Migrationsdruck und fortschreitende Klimawandel sind Fragen, die in direktem Zusammenhang zu diesen Themen stehen.

Die Urbanisierung als Spiegelbild der Stadt von morgen – wie will die Menschheit, wollen wir, unser Dasein in Zukunft gestalten? Der gesellschaftliche Wandel und die Handlungsfähigkeit der Menschen manifestiert sich nirgends so wie im Schmelztiegel und Zukunftsraum einer Stadt.

Urbanisierung – was ist das?

Als Urbanisierung (vom lateinischen Wort urbs = Stadt) wird allgemein die Ausbreitung von städtischen Lebensformen bezeichnet. Unter dem Begriff werden verschiedene Darstellungsformen zusammengefasst:

  1. ein Wachstum von Städten (physische Urbanisierung),
  2. eine infrastrukturelle Aufwertung und Erschließung von ländlichen Regionen anhand städtischer Maßstäbe (funktionale Urbanisierung) und
  3. ein verändertes soziales Bewusstsein und Verhaltensmuster der Bewohner ländlicher Gebiete (soziale Urbanisierung).

Während der Begriff Verstädterung eher für eine Ausweitung bereits bestehender Städte durch Industrieflächen, Gewerbegebiete und sonstige Bautätigkeiten steht, bezieht die Bezeichnung Urbanisierung die Prozesse des sozialen und kulturellen Wandels mit in die Betrachtungsweise ein.

Die Verstädterung steht daher im allgemeinen Verständnis eher für die physische Urbanisierung in Form des reinen Städtewachstums, also der zunehmenden Verdichtung von menschlichen Ansiedlungen und dem Ausbau beziehungsweise der Zunahme von Wohngebieten.

Urbanisierungsprozesse – Gründe und Ursachen

Die große Mehrheit der Urbanisierungsprozesse findet heute vor allem in Nationen mit einer expandierenden Wirtschaft und Industrie statt. Aber auch in Staaten, die von jahrelangem Krieg und bürgerkriegsähnlichen Zuständen geprägt sind beziehungsweise deren ländliche Gebiete kaum ausreichende Erwerbsmöglichkeiten für die Bevölkerung bieten.

Vor allem auf dem asiatischen und afrikanischen Kontinent ist ein unaufhörlicher Trend zur Verstädterung zu beobachten, was als Ausdruck von vollzogener Industrialisierung gewertet werden kann. Menschen verlassen das Land und ziehen auf der Suche nach Arbeit, Verwirklichung und einer allgemein besseren Lebensqualität in die Städte.

Diese sogenannte „Landflucht“ oder auch „Stadt-Land-Migration“ beschreibt bisher traditionell die Wanderungsbewegungen innerhalb eines Landes, wird jedoch jetzt und zukünftig auch vermehrt auf eine länderübergreifende Form der Migration angewandt. Konkret von den ländlichen Regionen eines Staates in Städte eines Nachbarlandes oder weiterer Anrainerstaaten.

Jedoch bestehen auch in den etablierten Industrienationen weiterhin Tendenzen zu einer fortgesetzten Landflucht, deren Motivation unter anderem in einer Senkung des Beschäftigungsniveaus in der Landwirtschaft zu suchen ist. Darüber hinaus migrieren vor allem junge Frauen in städtisches Umfeld, um hier größere Chancen auf Beschäftigungsmöglichkeiten, etwa im Dienstleistungssektor, wahrnehmen zu können.

Die Arten von Urbanisierung

Physische Verstädterung

Darunter wird das reine Wachstum der Städte, die Ausbreitung und Vergrößerung städtischer Wohnbestände sowie die flächenbezogene Nutzung anhand von neuen Ansiedlungen und Wohngebieten verstanden.

Funktionale Verstädterung

Dies beschreibt eine intensive Verzahnung und betonte Verflechtung zwischen der Stadt und der ländlichen Region. Die städtische Produktion weitet sich hier auf die ländlichen Gebiete aus und wirkt dabei ursächlich für neue und verbesserte Formen der Infrastruktur.

Soziale Verstädterung

Eine Beschreibung der Anpassung und Übernahme von Richtlinien, Verhaltensmustern und Wertevorstellungen der städtischen Gemeinschaft durch die Bevölkerung des Umlandes und ländlicher Regionen. Dies wird etwa durch ein ähnliches Konsumverhalten und deckungsgleiche Freizeitaktivitäten ausgedrückt. In letzter Konsequenz stellt sich eine gesamtgesellschaftliche Urbanität ein.

Demographische Verstädterung

Diese Kennzahl definiert den steigenden Anteil der Stadtbevölkerung an der gesamten Einwohnerzahl eines Gebietes, Bundeslandes oder Staates. Darunter kann sowohl der Verstädterungsgrad (Zustand) als auch die Verstädterungsrate (Prozess) verstanden werden.

Verdichtung des Städtesystems

Dies beschreibt die stetige Zunahme der reinen Anzahl von Städten, sei es durch konzipierte Neugründungen oder der Verleihung des Titels Stadt an bisherige Gemeinden oder Dorfzusammenschlüsse.

Beispiele für Phasen intensivierter Stadtgründungen sind das Barockzeitalter mit Residenz- und Festungsstädten, das Hochmittelalter sowie das Industriezeitalter mit städtischen Neugründungen wie Wolfsburg oder Eisenhüttenstadt.

Messung von Urbanität & Verstädterung

Der Grad oder auch die Quote der Verstädterung misst den Anteil der städtischen Einwohner an der gesamten Bevölkerung des Landes oder Staates. Sie definiert als eine Zustandsgröße das genaue Ausmaß an Verstädterung in diesem festgelegten Raum.

Die Verstädterungs-Rate wiederum beschreibt den Zuwachs des Anteils der städtischen Bevölkerung an der gesamten Bevölkerungszahl. Sie ist eine Prozessgröße und ebenfalls auf einen bestimmten Raum bezogen.

Die Stadt von morgen – Schlüsselfaktor Lebensqualität

Die Urbanisierung als ein weltweiter Trend – wie sieht die Stadt von morgen aus? Im ersten Jahrzehnts des 21.Jahrhunderts lebte zum ersten Mal mehr als die Hälfte der gesamten Menschheit in Städten. Die weiteren Prognosen sprechen dazu eine deutliche Sprache: Die Städte sind der dominante Lebensraum der Zukunft.

2050 werden nahezu 70 Prozent der globalen Weltbevölkerung in einem urbanisierten Lebensraum heimisch sein und diese wachsende Verstädterung als deutlicher Ausdruck der ungezügelten Urbanisierung bringt gleichzeitig das globale Gefüge in ein potentiell bedrohliches Ungleichgewicht.

Während der Prozess der Urbanisierung in den westlichen Staaten nahezu abgeschlossen scheint (2012 lebten bereits mehr als 75 Prozent der Deutschen in Städten), läuft dieser Vorgang in den Schwellen- und Drittländern in rasantem Tempo weiter und birgt ein nicht zu unterschätzendes Risikopotential in sich.

Die Urbanisierung und wirtschaftliche Prosperität verlaufen dabei meist Hand in Hand und stellen den Faktor „Lebensqualität“ in den Mittelpunkt der globalen Konzentration in den Städten. Dieser Faktor ist die entscheidende Bezugsgröße hinsichtlich der politischen, ökonomischen und sozialen Stabilität zukünftiger Stadtlandschaften.

Innovativ-nachhaltige Technologien, ein angepaßtes ökologisches Verständnis, neuartige Mobilitätskonzepte und ein politischer Maßnahmenkatalog zur sozialen Integration werden auch die Städte in den derzeitigen Schwellenländern nach und nach zu lebenswerten Wohnorten transformieren.

Intermodale Städte

Mit zunehmender Urbanisierung gelangt die städtische Infrastruktur absehbar an ihre Kapazitätsgrenzen. Der angepeilte Ausbau von E-Mobility verringert Lärm und Abgasemissionen, hilft aber auch nur bedingt gegen das allgemeine Strukturproblem. Das Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel sind bei entsprechend gut ausgebauter Infrastruktur ernsthafte Alternativen.

Zudem betont gerade die junge Generation in den Städten vermehrt eine „Sharing-Mentalität“, ein Nutzen und Teilen statt Besitzen und somit flexible Varianten, den eigenen mobilen Lebensstil individuell zu gestalten. Diese zukunftsfähigen Mobilitätskonzepte ermöglichen eine reibungslose Intermodalität und steigern die persönliche Lebensqualität in der Stadt.

Stadt-„Update“

Die Herausforderungen der Zukunft im Städtebau liegen auch in einer ständigen Erneuerung der Städte von innen heraus, einer sukzessiven Verbesserung der vorhandenen Strukturen, einem permanenten Update. Die bestehende „Hardware“, die Infrastruktur sowie der Gebäudebestand, muss angesichts des hohen Grads an Urbanisierung und damit eingeschränkten Flächenwachstums konzeptionell überdacht und alternativ verbessert werden.

Ein Paradigmenwechsel bei der Planungsstrategie könnte den Fokus auf An- und Weiterbau legen anstatt den bisher favorisierten rigorosen Abriß mitsamt anschließendem Neubau. Ehemalige Fabrikareale und Hafengelände werden zu attraktiven Wohnvierteln umgewidmet, eine Gebäude-Umnutzung und die Bebauung von Baulücken zu Strategien für eine effizientere Stadtausnutzung.

Urbane Landschaft

In massiv urbanisierten Räumen ist die Landschaft keine unberührte Natur, sondern ein wichtiger infrastruktureller Bestandteil mit einer bedeutenden Funktion für das städtische Klima. Mit den zukünftig klimatischen Veränderungen stehen Stadtplaner vor neuen Aufgaben: Beton und Asphalt wirken im Sommer als Hitzespeicher und heftige Regenfälle erfordern leistungsstarke Abwassersysteme.

Hier können intelligente Stadtkonzepte und durchdachte Designformen die Potentiale von Technik und Natur wirkungsvoll miteinander verbinden. Grüne Fassaden wirken als Temperatur-Regulatoren und erhöhen die Luftqualität, ausrangierte Industriekomplexe fungieren als grüne Naherholungsräume und eine steigende Wasserqualität ermöglicht spontane Bademöglichkeiten mitten in der Innenstadt.

Urban Gardening

Ungenutzte Brachen, Flachdächer und städtische Restflächen können sich in grüne Oasen verwandeln. Der Wunsch nach korrekten Öko-Lebensmitteln erschafft neue Businessmodelle rund um das Thema Urban Gardening. Weitergehende, noch utopische Zukunftsvisionen sind „Urban Farms“ als grüne, hochtechnologische und lebensmittelproduzierende Hochhäuser.

Fazit

Die konstant zunehmende Urbanisierung stellt die Städte der Welt vor teilweise enorme Herausforderungen. Ein erhöhter Ressourcenverbrauch und die Belastungskapazität bestehender Infrastrukturen werden dominante Themen der nächsten Jahrzehnte darstellen. Dazu weitere Begleiterscheinungen wie steigende Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum, erhöhter Energieverbrauch, ansteigende Abfallmengen und eine zunehmende Luft- bzw. Lärmbelästigung.

Welche Rolle spielen dabei aus deiner Sicht neue Konzepte und Alternativen, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden? Welche Lösungen und nachhaltigen Stadtkonzepte wären hinsichtlich der Urbanisierung denkbar? Könnte auf lange Sicht sogar eine Stadtflucht eintreten, in der Vororte und das weitere Umland bevorzugte Ansiedlungspunkte bieten?

Bildquelle: Yeshi Kangrang | Unsplash

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